
„Ganz München redet von seinem Oratorio, Abramo ed Isacco, so er hier producirt hat.“
Mozart in einem Brief an seinen Vater vom 11. Oktober 1777
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Bis vor Kurzem kannte ich die Musik des tschechischen Maestros Josef Mysliveček – Il divino boemo (Der göttliche Böhme) – noch nicht, aber das Oratorium Abramo ed Isacco hat mich in seiner Tiefe und Ausdruckskraft völlig begeistert. Die Arbeit und die Konzerte in Prag, Dresden und Amsterdam mit Collegium 1704 und Václav Luks waren ein Höhepunkt zu Beginn meiner neuen Spielzeit. Besonders spannend war es, dieses außergewöhnliche Werk gemeinsam mit Václav Luks und seinem Orchester zu erarbeiten – Experten auf diesem Gebiet, die die Musik von Mysliveček mit bemerkenswerter Authentizität und Leidenschaft zum Leben erwecken.
Dieses Werk, das 1776 in Florenz uraufgeführt und im folgenden Jahr am Hof des Kurfürsten Maximilian III. in München gespielt wurde, fesselte die Zeitgenossen und den jungen Mozart. Es setzt die dramatische Geschichte des Alten Testaments um, in der Abraham kurz davor ist, seinen Sohn zu opfern. Das Oratorium entwickelte sich schnell zu einem der meistgespielten Werke des 18. Jahrhunderts und wurde in ganz Europa populär. Es verlangt außergewöhnliche stimmliche Virtuosität und zeigt die Qualitäten der Sänger*innen, für die Mysliveček seine dramatischen Werke komponierte.
Die Aufführungen waren nicht nur eine überraschende Entdeckung für mich, sondern auch eine Erinnerung daran, wie viel es in der Musikgeschichte noch zu entdecken gibt.
Fotos (c)_PetraHajska



