Im Gespräch mit Martina Marie Heroldová am 3. August 2025 über PASSIONE D’AMORE in der Kirche St. Simon und Judas.

Das diesjährige Sommerfestival für Alte Musik kulminiert am 5. August in der Kirche St. Simon und Judas mit einem Konzert unter dem Titel Passione d’amore. Der Star des Abends wird die international renommierte ukrainisch-deutsche Sopranistin Kateryna Kasper sein, deren Repertoire von barocker Oper über Oratorien bis hin zu Liedgesang reicht und die auf führenden europäischen und internationalen Bühnen Anerkennung gefunden hat. In einem Interview für das Portal KlasikaPlus.cz beschreibt sie nicht nur ihren interpretatorischen Zugang zur italienischen Barockmusik, sondern auch ihre persönliche Beziehung zum gewählten Repertoire. Beim Konzert wird sie gemeinsam mit dem tschechischen Bariton Roman Hoza und dem Ensemble Collegium Marianum unter der Leitung von Jana Semerádová auftreten.

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Sommerfestival für Alte Musik in Prag aufzutreten?

Ich freue mich sehr, nach Prag zurückzukehren – es ist zwar erst mein zweiter Auftritt hier, aber ich habe mich wirklich in die Stadt verliebt. Es ist etwas ganz Besonderes, Barockmusik an einem so historischen und atmosphärischen Ort zu machen.

Ist dies Ihre erste Zusammenarbeit mit dem Collegium Marianum?

Ja, es ist meine erste Zusammenarbeit mit Collegium Marianum, und ich freue mich sehr darauf. Teil dieses Festivals zu sein, gemeinsam mit einem Ensemble, das so eng mit dem Barockrepertoire verbunden ist, und diese wunderbare Musik einem neuen Publikum zu präsentieren, fühlt sich ganz natürlich, inspirierend und sehr bedeutungsvoll an.

Wie haben Sie das Programm für das Konzert Passione d’amore ausgewählt?

Passione d’amore vereint Arien und Duette aus Händels Giulio Cesare und Vivaldis Il Giustino. Während Giulio Cesare zu den beliebtesten und am häufigsten gespielten Opern Händels gehört, wird Il Giustino selten komplett aufgeführt – dabei ist es ein wahres musikalisches Juwel, weit mehr als nur die berühmte Arie „Vedrò con mio diletto“.

Was verbindet diese beiden Werke?

Interessanterweise hatten beide Opern im gleichen Jahr 1724 Premiere, die eine in London, die andere in Rom. Händels Cleopatra wurde ursprünglich von der berühmten Sopranistin Francesca Cuzzoni gesungen, während Vivaldi die Rolle der Arianna für einen Sopran-Kastraten schrieb, was außergewöhnliche stimmliche Anforderungen und einen großen expressiven Umfang mit sich bringt.

Beide Figuren werden von Liebe getrieben, ihre Wege sind jedoch sehr verschieden. Cleopatra ist politisch strategisch, verführerisch, aber zugleich zutiefst menschlich in ihrer Verletzlichkeit. Arianna ist mutig und emotional direkt – sie kämpft um die Liebe, sieht sich Verrat und Gefahr gegenüber. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft, die in der Musik steckt, und die Intensität ihres Innenlebens: Beide sind starke Frauen, die in einer Welt voller Macht und Risiken ihren Weg gehen.

Haben Sie eine tiefere persönliche Verbindung zu einem der Werke oder Arien im Programm?

Im Herbst werde ich mein Debüt als Cleopatra geben – eine Rolle, von der ich schon lange träume. Obwohl ich viele Heldinnen von Händel gesungen habe, ist Cleopatra eine neue Figur für mich, die ich erst noch vollständig entdecken werde. In Prag werde ich ihre Arien zum allerersten Mal öffentlich singen, was diesen Moment sehr besonders macht.

Eine stärkere persönliche Verbindung habe ich zu Arianna. Ich habe die Rolle vor drei Jahren an der Staatsoper Berlin gesungen und empfand große Freude daran, diese mutige, kluge und tapfere Frau zum Leben zu erwecken.

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei der Interpretation von Alter Musik, besonders des Barockrepertoires?

Barockmusik ist voller Farben, Gestik und emotionaler Komplexität. Sie erfordert sowohl vokale Disziplin als auch Vorstellungskraft, nicht zuletzt, weil Kompositionen dieser Epoche vom Interpreten verlangen, eine große Vielfalt an Verzierungen nach „gutem Geschmack“ hinzuzufügen und in den Da-Capo-Teilen völlig freie Änderungen zu erfinden. Ihr rhythmischer Antrieb, die Ornamentik und die einzigartige Ausdruckssprache machen die Interpretation mit zeitgenössischem Verständnis sowohl zur Herausforderung als auch zum Geschenk. Diese Musik spricht direkt unser Herz an, verlangt aber gleichzeitig ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen historischem Stil und persönlichem Ausdruck. Für mich besteht die eigentliche Aufgabe darin, diese Emotionen heute frisch und wahrhaftig erscheinen zu lassen, ohne die Tiefe und Eleganz des Stils zu verlieren.

Wie würden Sie Zuhörer*innen, die wenig Erfahrung mit Alter Musik haben, einladen oder ermutigen, ein Konzert zu besuchen? Was können sie erwarten?

Ich würde sagen: „Lassen Sie sich überraschen!“ Alte Musik ist alles andere als verstaubt – sie ist voller Leben, Sinnlichkeit, Drama und roher Emotionen. Es fasziniert mich, wie diese Geschichten und Gefühle auch nach dreihundert Jahren noch so tief in uns ansprechen. Sie sind menschlich und zeitlos. Wenn man sich auf sie einlässt, erlebt man eine intensive und bewegende Erfahrung, die lange nach dem Konzert nachklingt.

INTERVIEW auf klassikaplus.cz